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Ein logisches kreuz & quer Argumentieren.

Der Begriff Welt ist wohlmöglich genauso komplex wie der Begriff Kirche, wobei er dennoch nicht ansatzweise soviele Irritationen und Emotionen konnotiert. Die konzeptuelle Grundlage im Gespräch über diese beiden Lebenswelten hat sich sogar dahingehend verändert, dass sie einander abgrenzen, wodurch die argumentative Struktur jeglicher Diskurse in Schieflage gerät.

Wie kann dies gemeint sein? An und für sich müsste die Kirche ein Teil der Welt sein, da sie aus Menschen entsteht. Vom Gebäude "Kirche" als sakraler Raum brauche ich garnicht erst reden, da wir bspw. nur nach Frankreich schauen müssen, um zu sehen, wie einfach man dessen Mauern abreißen kann. Aber kommen wir zurück zu den Menschen, die in ihrer Gesamtheit als je Gläubige erst Kirche bilden und ausmachen. Ein Christ hört doch nicht auf, Teil der Welt und der Kultur zu sein, nur weil er getauft ist und eine andere "Sinn-Suche" betreibt als bspw. sein areligiöser Mitmensch. Und doch! Es scheint mir fast so, als wollte die Gesellschaft immer stärker ausweisen, dass man ohne einen Glauben der Welt näher stünde als mit ihm.

Allgemein gefasste Probleme kann man am deutlichsten in politischen Gefilden veranschaulichen. Im Mittelalter gab es die begriffliche Trennung zwischen kirchlicher und weltlicher Macht, die sich jedoch eindeutig auf je beiderseitig christliche Menschen bezog. Die Unterscheidung lag darin, dass es sich einerseits um den Klerus, also auf Gott geweihte Personen (Priester und Bischöfe), und andererseits um Adelige, also Personen mit familiär gebundenen Titeln und Besitztümern, handelte. Im modernen Kontext wird diese Facette jedoch umgemodelt und "weltlich" bedeutet in der Politik nun, dass eine politisch aktive Person möglichst keinerlei religiöse "Gefühle" in seinen Staatsauftrag hinein fließen lassen soll.

Zunächst nannte man diese Umdeutung Säkularisierung, wobei es sich hierbei eigentlich um die Ausklammerung des klerikalen Einflusses, bzw. einer spezifische Interessensvertretung kirchlicher Anliegen handelte. Doch die Stimmen werden immer lauter und unverschämter, wenn es nur den Anschein religiöser Tendenzen hat, sodass nach einer Form des Laizismus gelechzt wird und noch mehr. Man könnte das Gefühl verspüren, dass allein die Tatsache, sollte ein Politiker selbst Christ sein, zu heftigem Aufstoßen führe. Exemplarisch erfolgt eine solch radikale Haltung mir gegenüber vor allem durch politische Anhänger und Parteimitglieder der Linken.

Um den Bogen zurück zu spannen, resümiere ich die Beobachtung: "es gibt Menschen, die sind weltlicher als andere". Aber vielleicht ist das ja logisch, da wir alle gleich sind und nur manche eben etwas gleicher als der Rest (Vorsicht Polemik!). Zumindest argumentativ kommen wir dahingehend in Schieflage, wenn wir den Begriff "Kirche" entweltlichen und vergessen, dass es sich um Facetten menschlicher Selbstbestimmung handelt. Das Verständnis muss wieder gerade gerückt werden. Denn ein Christ ist zunächst ein Mensch mit spezifischen Werten (wie auch jede andere Person Mensch mit spezifischen Werten ist), der in einen kulturellen Kontext eingebunden ist, den er als Mitglied dieses Kulturkreises wiederum punktuell beeinflusst und formt. Daher ist die Religion keine ausübende Macht, sondern lediglich ein statistisches Unterscheidungsmerkmal in kulturellen und individuellen Kontexten von Meinungen.

 

© ich atme auch 

10.2.15 18:26


Von lyrischen Stolpersteinen zur Verdichtung der Gedanken.

Es scheint fast, als müsse jeder heranwachsende Gedanke der Grundstein für ein verkanntes Genie in einem sein, der es lohnenswert machen sollte, in schnulzigen Versen daher zu tölpeln. Zumindest ergeht es einem bestimmten Klientel des lyrischen Genres in der ganz unterschiedlich lang anhaltenden Pubertät vergleichsweise ähnlich, was ich anhand diverser Beobachtungen und einer gewissen Selbstreflexion festzustellen meine. Gefährlich ist das logisch erst einmal nicht! Sollte jedoch eine kritische Distanz zur ersten Generation der verdichteten Wortklumpen fehlen, dann darf man sich beruhigt zurücklehnen und vom Zauberland träumen, denn am eigentlichen Diskurs wird man gar nicht teilnehmen dürfen und können.

Meine ersten Versuche Reime aneinander zu reihen und dafür Sorge zu tragen, dass ein gewisser Inhalt erkennbar wird, waren "Gott sei dank!" naiv genug, um zu merken, was ich noch alles zu verbessern habe. Dabei hatte ich großen Spaß mich auszuprobieren und trat Schritt für Schritt in ein neues Geheimnis im Umgang mit Sprache ein. Als erstes variiert man die Verslängen und spielt mit den Kadenzen. Auf der einen Seite kann man die Worte fluffig wie Perlen aufreihen, um im nächsten Augenblick bewusst damit zu brechen – d.h. mit offensichtlichen Stolpersteinen die Idylle mal eben verkriesknaddeln. Man sucht nach Sprachbildern und verknüpft nach und nach den Inhalt mit der Form. Die Grammatik wird verbessert, sodass die Aussagen im Gedicht nicht mehr gestelzt und verdreht wirken, doch irgendwas scheint immer zu fehlen. Aus Überdruss lässt man freiwillig die Reime einmal weg und verwirklicht nur ein intuitives Gefühl für das Gesamtkonzept.

Der fehlende Schritt ist wohlmöglich der schwerste! Vielleicht wäre ich von alleine nie darauf gekommen, aber dafür hatte mir irgendwann die Geduld gefehlt und ich habe mich allumfassend in die Recherche gekniet. Die Magie liegt einzig in der Metrik. Der gute Vater der deutschen Dichtkunst Martin Opitz hat es begründet und ewig breit erklärt. Die ästhetische Stimmung erklingt im Deutschen nur beim alternierenden Rhythmus. Zum ersten Mal steigt man hinter die diffusen Begriffe des Jambus und Trochäus, auf die man sich verbindlich begnügen darf, so wie man gleichsam mit dem Discofox auf jeder Ü-40 Party zurande kommt, bzw. die meisten schwer beeindrucken kann.

In diesem Sinne erinnere ich mich an einen Professor der Germanistik, dem die ermutigenden Sätze zur eigenen Übung wiefolgt über die Lippen kamen: "Probieren Sie es doch einmal aus! Schreiben Sie doch einfach die nächste E-mail an Ihre Dozenten/innen in Form eines Sonetts. Oder schmettern Sie einen mutigen Trochäus im Einladungstext zur nächsten Grillparty..." Ich kann natürlich keine Wunder versprechen, aber im Verstehen, was die betonten und unbetonten Silben der Wörter sind, hat man schon wieder ein geschulteres Verständnis von Sprache erlangt. Irgendwann wird man so vielleicht die Stützräder zum ästhetischen Selbstverständnis abbauen können.

 

© ich atme auch 

9.2.15 10:40


Backstübchen

An die Theke rollen Menschen,
Kaffee kocht im Dauerlauf,
Klingelnd ist der Kauf besiegelt,
Knatternd tritt die Quittung auf.

Gelder schmeißt man hin und her,
Präzision regiert den Ton,
Tüten fassen tausend Dinge –
Arbeitsalltag, monoton.

Doch die Freude vieler Kunden
Färbt sich auf Gesichtern wieder.
Chöre summen quicklich Oden,
Süßer Waren Lobeslieder.

„Bitte schön, was möchten Sie?“,
Blinzelt mich die Dame an
Und der Auswahl unbegrenzt
Liegt mein Wesen staunend lahm.

In der Ecke duften Brötchen,
Drüber hängen Laugenbretzeln.
Süßgebäck und Kuchenstücke
Lassen mich der Meinung rätseln.

Körner, Roggen und das Schwarze,
Urbrot, Saftkorn wie Barosso,
Kaiser, Schnitt, gar Doppelsemmel,
Qual der Wahl! „Noch zwei Espresso!“

Muffins, Schmand und Apfelstrudel,
Zucker-Schoko-Schweineöhrchen,
Marzipan- und Sahnetorte,
Schön verziert mit kleinen Möhrchen.

Bienenstich und Caffè Latte,
Pflaumen-, Erdbeer-, Streuselkuchen,
Frappuccino zum Berliner,
Welch ein Segen, welch ein Fluchen!

Paradiesisch schmeichelt täglich
Meines Magens fündig Grube.
Frohen Mutes lauf’ ich wieder
Hin – zur kleinen Bäckerstube.

 

© ich atme auch  (21.10.09)

9.2.15 02:37


Des Lesens mächtig schreibe ich.

Zunächst erwächst der Zweifel, indes verwirrt der Anschein und zuletzt glaubt ein Jeder, was er will. Die Kunst, der Moderne zu(ge)hören zu können, verdirbt sich zuliebe eines Spaßes, der Meinungsfreiheit die eigene Sicht andichten zu müssen. Das Auge des Betrachters malt gleichsam aus wie um und ändert gar das ganze Werk, auf dass der Autor vergessen bleibt; denn das soll er ja auch. Nun verwehre ich äußerst ungern einer Epoche deren Lieblingssportart, um mit den meinen Worten Gegenrede zu halten; doch will ich es eigen ermessen, mein Eigen zu nennen und zu behalten. Der Inhalt meiner schriftlichen Streifzüge unterliegt zunächst den Regeln jeweiliger Textgattungen, die jedoch letztlich an mir vorbeikommen müssen. Demnach ist mir bewusst und ich möchte es hiermit zu bedenken geben: Meine Meinung ist kein Massenmedium! Dennoch habe ich natürlich eine, die nur sofern Anstoß sein soll, dass ein Jeder noch ruhig schlafen kann. Eventuell kann nur so Freiheit verstanden werden.

 

© ich atme auch

9.2.15 01:03


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