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Die Fastenzeit als Ausbruch aus Alltäglichem benötigt nicht den Verzicht auf das Gewöhnliche

Die Frage: "Und auf was fasten Sie dieses Jahr?", gehört zur Standardfloskel dieser Zeit, die wiederrum zumeist mit den alljährlichen Standards beantwortet werden darf. Spekulativ tippe ich mal auf die Klassiker: "Zigaretten, Alkohol, Schokolade, etc.", da es furchtbar praktisch ist, seine scheinbaren Laster für den guten Zweck, nämlich gesund zu bleiben, ganze 40 Tage auszusetzen.

Für die einen darf dies im Sinne einer religiösen Verpflichtung und für andere als gesellschaftlich anerkannter Trend geschehen, wobei die Anzahl derer, die ihre eigenen Vorsätze bis zum Ende auch einhalten, eher gering sein wird. Aber dabei sein ist alles. Zumindest sind die 6 1/2 Wochen der christlichen Fastenzeit ein Kompromiss zum wahrscheinlich eh schon verpatzten Neujahrsvorhaben. Wer sich hinzu rechnerisch auskennt, wird bemerkt haben, dass die Sonntage ja gar nicht gezählt werden. An denen wäre also ein Rückfall in bekannte Muster völlig legitim.

Nun ist es sehr schön, wenn die Menschen auf ihre Gesundheit achten. Mir macht es auch ab und zu Spaß, in diesen 40 Tagen auf klischeehafte Produkte zu verzichten, damit sich nie eine Abhängigkeit über die uns eigene Selbstbestimmtheit setzen kann. Dennoch möchte ich in aller Klarheit darstellen, dass wir in dieser Logik nicht ansatzweise dem verborgenem Geheimnis der Fastenzeit gerecht werden. Wir verzichten nicht, weil wir zu viel von etwas haben, sondern im Verzicht merken wir aus dem Wenigen heraus, was uns ausmacht und das Wichtigste sein müsste.

Während das klassische Fasten natürlich darauf ausgerichtet ist, in der Ausübung von Geduld und Disziplin auf das Nötigste beschränkt zu sein (vor allem auf Speisen bezogen), verweist dies in seinem theologischen Naturell jedoch auf die Zeit, auf die wir uns dabei zubewegen. Im christlichen Kontext bedeutet dies nicht, dass mit der ablaufenden Frist wieder vollends geschlemmt werden darf, als vielmehr dass uns das Leben (in Fülle) geschenkt worden ist. Doch über Ostern möchte ich an dieser Stelle gar nicht berichten, da dies ein eigenständiges Thema ist.

Vielleicht hilft uns jedoch der Gedanke, dass sich am Ziel dieser 40 Tage ankommend eine Qualität in uns verändert haben sollte. Nicht die Qualität ist gemeint, besser atmen zu können, da ich weniger geraucht habe, oder ein paar Pfunde weniger aufzuweisen als noch zuvor, da man einmal nicht regelmäßig gesoffen und genascht hat. Diese Qualitäten sind banal, da sie sich bis zum Ende des Jahres wieder umkehren und egalisieren. Das Fasten ist kein so tun als ob, sondern die Chance zur Veränderung.

Früher war die Fastenzeit immer auch eine besinnliche Zeit. In den kalten Wintertagen gab es viele Möglichkeiten in sich hinein zu hören, nachzudenken und auch einmal das Gewissen zu erforschen. Das wird uns in der Moderne so wohl kaum ergehen und passt sicherlich nur wenig in den stressigen Alltag. Doch aus diesem kann man sich immerhin kreativ herauslösen. Ich empfehle gern, nicht auf etwas geliebtes zu verzichten, sondern besonders die kleinen Dinge hoch zu halten und ihren Wert zu schätzen. Bemühen Sie sich untypisch liebenswert zu verhalten oder lesen Sie einmal ein Buch aus Ihnen fremden Grenres. Denken Sie politisch und loben Sie das Richtige ohne auf die Fehler zu verweisen. Ordnen Sie Ihr Menschsein neu, damit aus der Fastenzeit eine Erfahrung erwächst, die sich nicht auf Ihre Komfortzone beschränkt.

Viel Erfolg!

 

© ich atme auch 

22.2.15 00:16
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


SylwiaM / Website (11.8.17 02:09)
Lepiej bym tego nie ujął. Rewelacyjny wpis! www.connoisseurseafood.pl

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